moondrawings dots and linepaintings texte

Energy of motion - energy of colors.

The new paintings of Wolfgang Schäfer.
The hallucinating power of moonlight marks a shining track on the new oil-paintings of Wolfgang Schäfer.

The artist started wide open shuttered camera-moves across the nocturnal sky of spain.
Drawing with the light of the moon, moving the lens in all directions: that leaves tracks on the film-emulsion, a loop-structure of moon-paths, provocated by the artist. Later in the atelier these cosmic photografical visions were transfered into paintings, the paths of the moon became color-tracks. to continue...

The constant broad color-lines start on the monocrome colored grounding as unmotivated, as they end abruptly. If the photografical patterns are double exposed, several tracks cut each other.
Sometimes the broad moon-paths are grounded by the fine veined structure of incidentally captured stardust .
The portrait of the moon is a stereotype of romanticism. Night-images,
eclipsed by the silvery moonlight in the sense of longing moods.
But to define such a kind of romanticism is not the basic idea of Wolfgang Schäfer. The passive moonlight becomes rather an active ray of light.
The camera-moves let the moon perform and the painter undertakes a brief nocturnal light-dance inspired by the drug called moonlight: the light of the moon paints the picture through the eyes of the photographer.
The painting transforms the moon-path into a colored flash that sparkles brightly and burns out.
A brief photographical view becomes a lasting paint-track - energy of motion becomes energy of colors.

Dr. Stephan von Wiese / translated by Muscha


Bewegungsenergie
Farbenergie
Zu den neuen Ölmalereien
von Wolfgang Schäfer

Die halluzinative Kraft des Mondlichts zeichnet sich als leuchtende Spur auf den neuen Olmalereien von Wolfgang Schäfer ab.

Mit geöffneter Blende hat Schäfer in Spanien Kamerafahrten über den nächtlichen Himmel unternommen.Der Lichtpunkt des Mondes wird zum Zeichenstift, die Bewegung des Kameraobjektivs kreuz und quer über den Himmel führt~uf der Filmemulsion zu einem Schlingengefüge der vom Künstler provozierten Mondpfade.

Diese kosmischen Photovisionen wurden im Atelier umgesetzt in Malerei, die Wege des Mondes wurden zur Spur der FarbLinien.
Die stets gleich breiten Farblinien beginnen auf dem mono-chromen Farbgrund ebenso unmotiviert und plötzlich wie sie wieder abbrechen. Bei Doppelbelichtungen kreuzen sich mehrere Wege. Manchmal werden die breiteren Mondbahnen hinterspielt vom feineren Geäder zufällig miteingefangener Sternlinien.
Das Bild des Mondes ist ein Klischee der Romantik. Nachtbilder uberstrahlt silbriges Mondlicht im Sinne von sehnsuchtsvollen Stimmungen.
Mit solcher Romantik hat Schäfer wenig im Sinn. Der passive Mond-schein wird vielmehr zur aktiven Lichtspur. In der Kamerafahrt begeht der Mond eine Performance, inspiriert von der Lichtdroge Mond beginnt der Maler einen kurzen nächtlichen Lichttanz: Uber das Auge des Photographen malt sich das Mondlicht ins Bild.
In der Malerei wird der Pfad des Mondes zum farbigen Blitz, der aufstrahlt und versinkt. Der kurze Moment der Photographie wird zur dauerhaften malerischen Spur, Bewegungsenergie wird Farbenergie.

DR. STEPHAN VON WIESE
Die Lesbarkeit
der Bilder

Beim Betrachten der neuen Bilder von Wolfgang Schäfer kommt die Idee der Kunst als Ambiguität und Selbstreflexion daher. Kunstwerke sind jene Objekte, die einerseits uns im Unklaren darüber lassen, ob sie nur das zeigen, was wir sehen und anderer-seits uns zwingen, ihre Machart zu untersuchen. In diesem Sinne wäre die Ambiguität die Offenheit der Bilder, da diese neben der stilistischen Innovation, dem Bruch der Sehtradition des Betrachters immer auch eine Bedeutungsvielfalt bereithält.
Diese Mehrdeutigkeit scheint uns zu sagen, daß die ultramarine Schleife auf weißem Grund nicht alles sein kann, was wir sehen, sondern daß darüber hinaus noch mehr sein muß, und so kommt die andere Sicht von Kunst zum Vorschein: die Selbstreflexivität.
Sobald über der einfachen Schleife das Bild mich auf den Gedanken der Materialität, des handwerklich Gemachten bringt, habe ich es mit der Erfahrung der Selbstreflexivität zu tun. Die Sorgfalt und Hingabe, mit der Wolfgang Schäfer seine Bilder fertigt, zeigt daß da ein Anderes an Sinn enthaLten sein muß, als das Bild im ersten Anblick und mit dem Titel mir suggerieren will.
Drei Aspekte sind es, die ineinandergreifen. Der erste umfaßt die klar erkennbaren Inhalte. Der zweite die formalen Variationen. Vom Unbestimmten zum Bestimmten, von der summarischen zur differenzierten Wiedergabe. Dies führt zum dritten Aspekt. Dem Experimentieren mit den Möglichkeiten seiner Signifikanten, dem fortwährenden Versuch, die Tragfähigkeit der Kunstmittel zu erproben, ihren Bedeutungsumfang auszudehnen. Die Praxis der Bilder ist damit eine Demonstration jeglicher Sprachtheorie der bildenden Kunst:

Das Band, welches das Objekt mit seiner Bezeichung verbindet, ist beliebig~ [Saussure).

So sollte auch dieser Text als eine Schleife gelesen werden, die mit ihrem Ende auch fortwährend auf den eigenen Anfang verweist. Daß sich dadurch aber immer wieder neue Konstellationen der Betrachtung ergeben wie bei den Bildern von Wolfgang Schäfer, ist beabsichtigt.

ANDREAS BARTOSZ
 
LIEDER OHNE WORTE
ODER DIE STUMMHEIT DER BILDER
Im inneren Geschehen der Bilder von Wolfgang Schäfer ist erlebte Geschichte aufgehoben. Nur schweigend kann man am Augengespräch der Bilder teilnehmen Die Augen werden angeregt in ihnen zu spielen, so wie die Interpretation eines Musikstücks heißt, es zu spielen. Die Bilder haben ihr eigenes Gedächtnis.
Sie wird in beredter Stummheit erzählt.. Die stillen Räume der Kunst betritt man erst, wenn das Bedürfnis zu reden gestillt ist.
Sie führen einen stillschweigenden Dialog miteinander.
In Ihnen ist etwas, das uns anblickt und schweigend zu uns spricht. So sind sie durchdrungen mit einer Sprache in deren Zentrum die Stille steht. Auf dem höchsten Punkt der Bildbetrachtung wird der Betrachter im stummen Zwiegespräch zum ästhetischen, heißt zum sinnenfähigen und ersinnenden Produzenten seiner eigenen Poesie. Die Bilder sind expressiv.

Eberhard Schöller/Köln
Das Ich als Zentrum der Welt.

Linien, nichts als Linien. Geschlängelt, kurvig, wie endlos lange Glühwürmer, wie labyrinthische Pfade leuchten sie auf einer monochromen Fläche. Manche treten zahlreich auf, eIn und entknäueln sich wieder, manche berühren sich nur ein paar Zentimeter lang.

Die neuen Arbeiten des Düsseldorfer Künstlers Wolfgang Schäfer sind so ganz anders als seine früheren Werke. In Erinnerung sind vor allem die großartigen und -formatigen Callas-Potraits geblieben, die Schäfer anläßlich des Altstadtherbstes 1995 und in Stefan Hollenbergs Noh-Gallery ausstellte. Als Mitglied der Künstlergruppe Medienmafia, die zuletzt mit der Ausstellung „Fremd und anders" in Erscheinung trat, malte er vor allem archaische Masken, Ethno-Portraits vor gestischem Hintergrund. Früher war das Malen ein expressiver Akt:
Je dicker ich die Schichten auftrug, desto aufgewühlter sah es in mir aus. Heute, mit 43 Jahren, sei er ein meditativerer Mensch, auf einer persönlichen Suche nach sich selbst, die seine Geschichte mit einbezieht.
"Früher malte und lebte ich im Exzess, aber die Funktion des Exzesses entleert sich, der Exzess ist irgendwann nur noch Selbstzweck".
Action Painting, Tanz-Perfomiances — Mitte der 80er lernte er Butho in Japan — alles Schnee von gestern. Wolfgang Schäfer orientiert sich an dem, was vor ihm liegt. Und so beschreibt er seine neuen Arbeiten als „Begegnungen von Sinnbildern der persönlichen Suche.“

Fast kindlich, beinahe verspielt wirkt es, wenn er demonstriert, wie er die Linien entdeckte. Da hält er sich seine 08 15-Kamera vor die Brille, sein Körper rotiert, er erläutert, daß er mit langen Belichtungszeiten und seinen Bewegungen Fotos macht, auf denen dann die geschlängelten, gleißend hellen Linien vor erhelltem, aber nachtschwarzem Himmel zu sehen sind. Ursprünglich wollte er nur diese Fotos ausstellen dann aber malte er sie, mit Öl auf Holz.

„Der Umgang mit der Kamera ist immer noch expressiv - der Akt des Malens meditativ“.

Die Linien ließen Wolfgang Schäfer fortan nicht mehr los: Er stolperte geradezu buchstäblich über sie in Form von hinterlassenen Netzen, Kabeln; Risse in Putz und Asphalt bekamen eine ganz neue Bedeutung für ihn. Auch sie fotografierte er, auch diese dienen ihm als Studien für mögliche Gemälde. Holz ist in diesem Zusammenhang ganz wichtig als Sinnbild für die Natur im romantischen Sinne, Geborgenheit und ein Sich-Aufgehoben-Fühlen ausstrahlend.

In drei “Typen“ teilt er seine neuen Arbeiten ein: Punkte auf monochromen Flächen, die oben beschriebenen Lini-en, und als drittes dann Linien, die auf anderen Linien, nämlich einem stringenten Raster liegen.

„Das Raster ist das grundlegende Ordnungsprinzip, auf dem ich und wir alle uns bewegen, die geschlängelten Linien sind die, die mein individuelles Leben bestimmen, meine Wege eben.“

Wiedersehen“ heißt ein Bild: Zwei Linien, eine in sich kleine, unausgeprägte, zarte, und eine große, ausladende, die sich kurz streifen. Symbole für eine offenbar nicht unwesentliche Begegnung in Schäfers Leben. Dreht sich seine Kunst ausschließlich um das eigene Ich?

.Na klar steht mein Ich im Mittelpunkt meiner Arbeiten — das ist das, was ich am besten kenne.“ Und was seine Freunde schätzen.
Die sind dabei, wenn er seine neuen Arbeiten in der Consum-Galerie zeigt — im gleichen Raum, in dem auch .Fremd und anders. statt-fand. Dann gibt‘s nicht nur was für die Augen, sondem auch für die Ohren. Zum Beispiel bei der Vemissage mit einer Spoken Words Performance von Jörg Kemp, eine Woche später mit Jazz von Daniele Da Forno, gefolgt von den Beatlesons mit entspanntem Polka Punk. Zum Tanz in den Mai laden A certain frank. Und jeden Samstag präsentiert sich die Liquid Lounge mit namhaften Gast Djs.
Martina Vogt, Überblick 04.1999


Spoken Words Performance von Jörg Kemp